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Achim Jaroscheck/Peter Brötzmann: Neurotransmitter

Artikel: DMCD 1006

bildbeschreibung

Besetzung: Achim Jaroschek p, Peter Brötzmann sax

Aufnahmedatum: 1998
Aufnahmeort: Dioton Studio, Krefeld

Tracks:

Zwei individuelle Künstler und zwei grundverschiedene Instrumente verbinden sich zu einer Einheit, ohne das der Einzelne sein persönliches,intimes, sein vollkommen eigenes Gesicht verliert. „neurotransmitter“ präsentiert zwei Vollblut-Musiker, darunter der deutsche Vorzeige-Avantgardist der internationalen Jazz-Szene: Peter Brötzmann am Saxophon und Achim Jaroschek am Flügel. Drei Stücke unterschiedlichster Art beweisen die Vielseitigkeit der beiden Künstler, die sich gekonnt zwischen elektronischem Acid Jazz, avantgardistischer Experimentierfreude und kammermusikalischem Dialog bewegen. Das Wandeln außerhalb der konventionellen Definitionen für Jazz und Neue Musik ist doppelt hochindividuell und in der unerwarteten Zweisamkeit frappierend: der Saxophonist Peter Brötzmann, die Vaterfigur der „freien Szene“ in Deutschland, findet mit Achim Jaroschek, dem wesentlich jüngeren aber ebenso kreativen Pianisten, Gemeinsamkeiten weit jenseits des kleinsten gemeinsamen Nenners. Jeder bringt seine eigene musikalische Stimme mit ein, die manchmal unterschiedlicher nicht sein können wie die Charaktere der verschiedenen Naturgewalten, manchmal wieder homogen gemeinsam schwingend, wie die leichte, erfrischende Brise an einem warmen Sommerabend.

Zwei der drei Kompositionen auf „neurotransmitter“ stammen aus der Feder des in Oberhausen/NRW lebenden Pianisten Achim Jaroschek, der mit seinem letzten Solo-Piano-Album höchstes Lob der Medien erhielt. Ob JAZZTHETIK, JAZZ PODIUM, die „Kölnische Rundschau“, der Bonner „Generalanzeiger“ oder das FONO FORUM-Magazin, alle sind sie überzeugt von den kompositorischen wie musikalischen Fähigkeiten von Achim Jaroschek, der - man höre und staune - ursprünglich ein gefragter Rock-Drummer war. Er hat sich das Klavierspielen selbst beigebracht (!) und wurde von Joachim Kühn „auf den richtigen Weg“ gebracht. Peter Brötzmann galt lange Zeit als das „enfant terrible“der deutschen Jazz-Szene. Lange war er mit seinen komplizierten Strukturen in seiner Musik, seiner unbändigen Spiellust und überwältigenden künstlerischen Kreativität seiner Zeit voraus. Inzwischen ist der international gefeierte Star der Free-Szene auch hierzulande eine fest verankerte Größe mit faszinierender Austrahlung.

Bei allen Unterschieden scheint die Faszination zwischen so gegensätzlich anmutenden Instrumenten und ihrer musikkulturellen Umdeutung auf „neurotransmitter“ als unterschwellige Triebkraft zu wirken. Archaisches verknüpft sich mit Avantgardistischem, Afroamerikanisches verschränkt sich mit Europäischem und umgekehrt. Sei es bei Ornette Coleman und Joachim Kühn, bei Wayne Shorter und Herbie Hancock oder bei Peter Brötzmann und Achim Jaroschek. Vergleichen kann man die eben genannten Duos gewiß nicht, doch allen gemeinsam ist die Dimension einer neuen, gleichwohl von den magischen Energien des Jazz durchzogenen Kammermusik. „neurotransmitter“ ist sicher nichts für Swing-Puristen, aber Musik für Menschen, die offen, neugierig und bereit sind, wirklich Neues und Außergewöhnliches zu hören!

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