Besetzung: Nils Wogram´s Nostalgia Trio , Claus Raible Trio feat. Ed Thigpen , Howard Levy , Anthony Molinaro , Ramón Valle Trio , Der Rote Bereich , Rosebud Trio
Aufnahmedatum: 2004-2006
Aufnahmeort: Bayerischer Rundfunk Studio II, München
„Bühne Frei im Studio II“ - unter diesem Motto, das ein wenig nach vergangenen Tagen klingt und ja auch tatsächlich der Titel einer traditionsreichen Jazzkonzertreihe des Bayerischen Rundfunks ist, wird im 60er Jahre - Flair des großzügig bemessenen Studios im Münchner Funkhaus einmal im Monat der Jazz in all seiner facettenreichen Vielfalt zelebriert. In den Konzerten trifft man auf Ausnahmetalente und etablierte Größen der regionalen und der deutschen Jazzszene und auf großartige Künstler aus Europa, den U.S.A und Südamerika. Könner allesamt, die ihre ganz individuelle Signatur in der vitalen Heterogenität des inzwischen ja weitgefassten Jazzbegriffs hinterlassen.
Auf der vorliegenden CD, die den Beginn einer Reihe mit Live – Aufnahmen aus „Bühne Frei im Studio II“ Konzerten darstellt, werden eine Duo- und fünf Triobesetzungen mit Stücken vorgestellt, in denen vorwiegend die swingende Jazztradition reflektiert wird und das – wie sollte es im Jazz anders sein - auf sehr unterschiedliche Weise. Der deutsche Posaunist Nils Wogram zum Beispiel, würdiger und innovativer Nachfolger des großen Albert Mangelsdorff, bezieht sich mit seinem Nostalgia Trio auf Hard Bop und Bebop, etabliert dabei einen ganz individuellen Umgang mit der harmonischen Ästhetik und dem musikalischen Ausdrucksspektrum der 40er und 50er Jahre und verleiht so dem Geschichtsträchtigen Gegenwärtigkeit. Seine Version des verhältnismäßig selten gespielten Billy Strayhorn Klassikers „A flower is a lovesome thing“ transportiert die sehnsuchtsvolle Poesie der Komposition ebenso wie die Atmosphäre der Zeit, in der sie geschrieben wurde. Einer Zeit, in der auch die Karriere des Schlagzeugers Ed Thigpen begonnen hat, der in Folge mit dem Oscar Peterson Trio Jazzgeschichte schrieb. Mit Thigpen hat der Münchner Pianist Claus Raible schon einige Tourneen gespielt. Gemeinsam ist ihnen – trotz des Altersunterschiedes von nicht unbeträchtlichen 37 Jahren - die profunde Kenntnis der Bebop- und der Hardbop-Ära. Aus dem Ursprungsland des Jazz, und zwar aus Chicago, stammen der Mundharmonikaspieler Howard Levy und der Pianist Anthony Molinaro. Als Duo widmen sie sich hochvirtuos – Levys spektakuläres Spiel auf der wohlgemerkt diatonischen Mundharmonika ist dabei von einzigartiger Qualität - und schlafwandlerisch sicher aufeinander eingespielt zum einen den Schätzen des „Great American Songbooks“ und zm anderen eigenen Kompositionen - in „Amazonas“ von Howard Levy orientieren sie sich dabei rhythmisch in Richtung Lateinamerika. Von dort, aus Kuba nämlich, kommt der Pianist Ramón Valle. Das vielfältige, multi-kulturelle musikalische Erbe seiner Heimat und ein klassisches Klavierstudium bilden die Basis für seinen facettenreichen Personalstil als Jazzpianist. Mit „La comparsa“ interpretiert er ein Stück des kubanischen Komponisten Ernesto Lecuona, dessen Stellenwert im Kuba vor Castro mit dem eines George Gershwin und eines Duke Ellington in den U.S.A verglichen werden kann. Unorthodox ist auch der Stil des Trios „Der Rote Bereich“. Mit großer Lust an der Schräglage und anarchischem Witz spielen der Bassklarinettist Rudi Mahall, der Gitarrist Frank Möbus und der Schlagzeuger Oliver Bernd Steidle ihre Songs im (Frei-)Geiste Ornette Colemans. Während sich hier die den Portugiesen nachgesagte melancholische Grundstimmung Bahn bricht, sorgt das in München beheimatete Rosebud Trio mit seiner Version des Hank Williams Country Klassikers „ Hey, Good Lookin´“ am Ende der ersten „Bühne Frei im Studio II“ Compilation für den musikalischen „Comic Relief“. Der Posaunist Johannes Herrlich, der Saxophonist Till Martin und der Gitarrist Geoff Goodman bouncen sich leichtfüßig durch den wohlbekannten Song, werfen sich übermütig die improvisatorischen Bälle zu, verlieren dabei die Essenz dieses Songs, der so gut in ihr Repertoire von Jazz, Filmmusik und Cowboysongs passt, nicht aus den Augen und verleihen der vorliegenden CD eine letzte nostalgische Note im besten Sinne. (Auszug aus den Liner Notes von Beate Sampson, BR)