Besetzung: Benjamin Schaefer p, Robert Landfermann double b, Marcus Rieck dr
Back to the roots – in mehrfacher Hinsicht. Das Benjamin Schaefer Trio hatte einst 2004 in der Nachwuchs-Reihe “Jazz thing Next Generation” sein hoch gelobtes Debut gegeben. In der Zwischenzeit folgten zwei Alben bei dem renommierten Label „Enja“. Während aber bei der letzten CD das Trio teilweise zum Septett erweitert wurde, konzentriert sich das jüngste Album wieder auf die klassische Piano-Trio-Besetzung. Und sie erscheint wieder beim Label Double Moon Records.
CD DetailsBesetzung: Sonja Huber vib, Matthias Siegrist g, Martin Wyss b, Daniel Bolli dr
Die Musik trägt zu Wohlgefühl bei, denn die Kompositionen sind unüberhörbar mit der Leichtigkeit und Einfachheit des Pop entstanden – aber keineswegs mit Seichtheit und Einfalt, die oft genug droht. Sondern mit der Raffinesse des Jazz gewürzt, so dass niemals Langeweile aufkommt.
CD DetailsBesetzung: Elodie Lauton voc, Jasper van't Hof p, Felix Graf p, keys, tenori-on, programming, Steve Argüelles dr, electronics, Peter Borföi e-bass
Terminal B ist eine musikalische Reise ins Innere. Das Innere einer Frau. Die Frau sitzt an einem Sonntagmorgen im Wartesaal des Terminal B am EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg. Trinkt einen Kaffee und liest die Tageszeitung. In der Tasche ein Standby-Ticket. Wird sie den Flug antreten oder doch zurück nach Hause gehen, ein Zuhause, das sie eigentlich verlassen wollte? Die Gedanken und Gefühle dieser Frau werden hier hörbar gemacht vom international besetzten Projekt Goldamour. Neben dem in Frankreich lebenden Anglo-Katalanen Steve Argüelles und dem niederländischen Pianisten Jasper van't Hof sind dies die aus Montpellier stammende Sängerin Elodie Lauton und die beiden Basler Felix Graf (piano, programming) und Bassist Peter Borföi. Nicht nur personell ist Goldamour ein Patchwork-Familienprojekt. Auch musikalisch werden verschiedenste Stile miteinander verwoben, um die Zerrissenheit und Stimmungsschwankungen dieser fiktiven Person adäquat einzufangen. So hören wir Elemente von Chanson, Jazz, Pop, Samba und TripHop, teils akustisch, teils elektronisch verfremdet dargeboten.
CD DetailsBesetzung: Patrick Bebelaar p, Joe Fonda b, Herbert Joos tp, flh
Ein paar Piano-Akkorde von Patrick Bebelaar. Jeder einzelne im Raum stehend, mit gehörig Nachhall. Aus dem Nichts kommen Joe Fondas schnell gezupfte Basstöne hinzu, die sich langsam zu einem kleinen Fundament entwickeln. Das Klavier gebiert eine romantische Melodiefolge. Traumhaft ruhig und sanft swingend zugleich. Ausklang. Ausklang? Denkste. Das Stück ist schon halb vorbei, da gesellt sich erst, gehaucht und flirrend, die Trompete eines Herbert Joos zu den beiden. So eindrucksvoll beginnt Between Shadow And Light. Präsenz durch Reduktion – lieber ein Ton zu wenig als einer zu viel: Das ist der rote Faden. Dieser Bereich zwischen Schatten und Licht, zwischen Dur und Moll, zwischen „schwarzem“ und „weißem“ Jazz ist das Besondere an dieser Aufnahme, die aber auch die Ränder dieses Zwischenraumes in Gänze ausfüllt – genauso hätte sie beschreibend „Shadow – Light – And In Between“ betitelt sein können. Dass Bebelaar das Spiel auf der Klaviatur der Zwischentöne beherrscht, bewies er zuletzt auf Dedications (INT 34342), seiner Duo-Einspielung mit Michel Godard. Auch hier präsentiert er sein ureigenes Klangideal und fand mit Herbert Joos einen kongenialen Mitstreiter. Im zwischen-raumgreifenden Gleichschritt marschieren sie voran in einem Metier, dass in frühester Zeit „europäischer Kammerjazz“ genannt wurde. Doch dies ist ein Jazz der Welten, farbiger Jazz in schwarzweiß.
CD DetailsBesetzung: Stefan Schmid ts, ss, cl, fl, Malte Duerrschnabel as, fl, cl, Niels Klein bs, cl, bcl, cl, Christoph Moschberger tp, flh, Frederik Koester tp, flh, Tobias Wember tb, Max von Einem tb, Max Frankl g, Robert Landfermann b, Jens Dueppe dr
Wenn das Who Is Who der jungen deutschen Jazz-Szene sich komplett in den Dienst der Sache eines der Ihren stellt, dann machen die das aus Freundschaft, Respekt und Hochachtung. So wirken auf Stefan Schmids Album exTENded unter anderem Niels Klein, Frederik Köster, Max von Einem, Robert Landfermann oder Max Frankl mit. Der Name exTENded bezeichnet zum einen das large Ensemble-Projekt von Stefan Schmid, bestehend aus zehn Musikern, genauer: sieben Bläser plus Rhythmusgruppe. Zum anderen ist das 9 Werke umfassende Debüt-Album mit exTENded betitelt. Geboten wird moderner Big Band Jazz, dem man die Schule eines Peter Herbolzheimers genauso anhört wie Einflüsse der Very Big Band von Carla Bley – nicht die schlechtesten Referenzen. Doch Stefan Schmid geht mindestens noch einen Schritt weiter. Denn er legt seine hier vorgestellten neun Kompositionen so an, dass dem Einzelnen möglichst viel Freiraum gewährt wird, was gerade im Big Band-Kontext ein eher schweres Unterfangen darstellt. Schmid meistert dies wirklich gut – zur Freude seiner Mitstreiter, die hier lustvoll im Bandgefüge wie als Solisten brillieren dürfen.
CD DetailsBesetzung: Ray Anderson tb, Lew Soloff tp, Matt Perrine sousaphone, Bobby Previte dr
Beim Hören der acht Tracks des neuen Albums The Sweet Chicago Suite von Ray Anderson's Pocket Brass Band fühlt man sich oftmals atemlos, dermaßen druckvoll präsentieren sich hier Ray Anderson, Lew Soloff, Matt Perrine und Bobby Previte. Bei all der dargebotenen Power vergisst man doch sehr schnell, dass es sich bei der Pocket Brass Band tatsächlich nur um ein Quartett handelt. Natürlich liegt ein Gutteil der musikalischen Wurzeln bei den Marching Bands aus New Orleans; diesem magischen Ort und seiner Musik fühlt sich Anderson spirituell verbunden. Doch man merkt schon am Albumtitel, dass es nicht um eine Hommage an The Big Easy geht, sondern um Rays Heimatstadt Chicago.
CD DetailsBesetzung: Jürgen Hagenlocher ts, Alex Sipiagin tp, flh, David Kikoski p, Boris Kozlov b, Nate Smith dr
Es gibt nicht viele europäische Jazzmusiker, die die amerikanisch geprägte Jazztradition respektvoll zu behandeln und sie gleichzeitig im eigenen Stil zu interpretieren wissen. Einer, der sich mit Leib und Seele darauf eingelassen hat, ist Jürgen Hagenlocher. Und aus gutem Grund nennt er seine neue CD "Leap In The Dark". Dieser Sprung ins Ungewisse (so die Übersetzung ins Deutsche) hat sich gelohnt. Sich auf Unbekanntes einzulassen birgt ein gewisses Risiko - kann aber auch so wie hier ein überaus inspirierendes und spannendes Ergebnis bieten.
CD DetailsBesetzung: Matthieu Marthouret hammond organ, Manuel Franchi dr, David Prez ts, Sandro Zerafa g, Maxime Fougères g, Nicolas Kummert ts, voice, guest:David Fettmann as
Das hochkarätig besetzte Quartett hat bereits 2009 ein erstes Album veröffentlicht („Playground“), beim kleinen französischen Label Must Records, und erntete umgehend großes Lob in der Presse. In unveränderter Besetzung ist der Nachfolger nun noch geradliniger und substantieller geworden, die lange gemeinsame Spielpraxis mündete in eine mühelose, völlig unangestrengte, locker groovende Aufnahme einer souveränen, homogenen Band.
CD DetailsBesetzung: Christoph Irniger ts, bcl, fx, Marco Blochlinger b, fx, Chrigel Bosshard dr, perc
Wenn die Cowboys auftreten, bleibt kein Stein auf dem anderen. Das Trio unternimmt seine wagemutigen musikalischen Streifzüge durch Stile und Melodien, als rauschte ein Blizzard durch die Gassen. Mit waghalsigen Arrangements wird ein Sturm erzeugt, der Dächer abdeckt und Bäume umlegt. Saalschlacht ist Programm. Mal dampfen Funk-Grooves, dann rauchen die Rock-Kanonen, und dann wieder folgen wilde Impros.
Die Einflüsse von Frank Zappa, Rage against the Machine, Don Li, Massive Attack, Screaming Headless Torsos oder Pantera (die eine ihrer CDs „Cowboys from Hell“ nannte) sind unüberhörbar. Und doch ist die Musik eigenständig und frisch, geprägt vom unkonventionellen Einsatz von Elektronik. Ungezügelte Spiellaune und brachiale Energie haben bisher noch jeden Club zum Beben gebracht. Da ist es natürlich sehr willkommen, dass Cowboys ständig unterwegs sind!
CD DetailsBesetzung: Timo Vollbrecht ts, ss, Lorenz Kellhuber p, rhodes, Tim Kleinsorge b, Moritz Baumgartner dr, special guestJohannes Enders ts
Extrem lässig. So ließen sich Komposition und Interpretation auf „In Sight“ wohl am besten charakterisieren. Die vier Jungs von RADAR liefern mit „In Sight“ ein reifes Werk ab, das in sich absolut stimmig ist. Man darf sich das beim Hören auch gerne immer wieder vergegenwärtigen: Hier präsentieren sich keine alten Hasen, „In Sight“ ist tatsächlich das Debüt-Album des jungen Berliner Quartetts RADAR. Mit einer Selbstverständlichkeit präsentieren sie eine sehr eigenständige Stil-Linie, kleine Schlenker Richtung klassischer Fuge oder federleichtem Latin ordnen sich immer in das originäre und originelle Gesamt-Klangbild ein.
CD DetailsBesetzung: Marc Perrenoud piano, Marco Müller bass, Cyril Regamey drums
Perrenoud, dem einst der Journalist Luca Sabbatini eine „unglaubliche Fantasie in seinen Melodien, eine zerstörerische Kraft, eine greifbare lyrische Intensität“ attestierte, ist wirklich ein Tausendsassa, der sich hier jeder gängigen Kategorisierung entzieht. Wenn überhaupt, dann ist das, was wir hören, eindeutig Jazz. Allerdings finden wir im künstlerischen Ansatz auch viele Anleihen bei anderen populären Stilen. Eine Art populäre Musik, wie sie Johann Sebastian Bach kultivierte. Eine Art populäre Musik, wie sie Cake zelebrieren. Eine Art populäre Musik, wie sie uns Return To Forever nahe brachten. In der englischen Sprache gibt es eine passende Beschreibung dafür: Attitude. Eine solche Pop-Attitüde für den Jazz (besser: für seinen Jazz) scheint Perrenoud, dessen Schallplattensammlung angesichts der vorliegenden Klang- und Assoziationsvielfalt sicher riesig ist, mehr als deutlich aufzuweisen. Beeindruckend, dass trotz der vielfältigen einem in den Sinn kommenden Einflüsse dieses Trio original, wenn nicht gar originell klingt. Alleine was das Trio aus dem Klassiker „Autumn Leaves“ macht, ist in dieser Hinsicht bemerkenswert.
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